Zehn Jahre danach: SN-Reportage aus Galtür ...
Am 23. Februar 1999 ereignete sich die Lawinenkatastrophe von Galtür. Ein Tag, der die 700-Seelen-Gemeinde veränderte. Das spürt man auch noch zehn Jahre danach. Erinnerungen des früheren ÖBRD-Ortsstellenleiters Gotthard Salner ...
Von Anja Kröll & Anton Prlic, Salzburger Nachrichten
Zehn Jahre danach: Eiskletterer auf einem künstlichen Wasserfall der gigantischen Lawinen-Schutzmauer für das Zentrum von Galtür, die nach der Katastrophe gebaut wurde. Hier ist das architektonisch innovative Kulturzentrum "Alpinarium" untergebracht - neben den Zeugstätten der Galtürer Einsatzkräfte - unter anderem der örtlichen Bergrettung.
Eisig bläst der Wind durch die Straßen von Galtür, wirbelt Schneeflocken waagrecht durch die Luft. „Guxa“ nennen die Einheimischen dieses Wetterphänomen. Zu Galtür gehörte es immer schon. Die „Lahna“ tut es seit zehn Jahren. – Jene Lawine, die am 23. Februar 1999 alles verändern und dem Wintersportort eine neue Zeitrechnung bringen sollte.
Auf einer Breite von 400 Metern donnerten die Schneemassen an einem Dienstagnachmittag vor zehn Jahren auf das Ortszentrum der 700-Seelen-Gemeinde und begruben 54 Menschen unter sich. Für 31 von ihnen bedeutet die Lawine den Tod. Im benachbarten Weiler Valzur starben wenig später nochmals sieben Menschen in einer Riesenlawine. „Seitdem gibt es bei uns zwei Zeiteinheiten – vor der ,Lahna‘ und danach“, erzählt Bürgermeister Anton Mattle bei einem Kaffee in seinem Büro im Gemeindeamt. Er ist auch ehrenamtlicher Bergrettungsmann in seiner Gemeinde. Damals, in dem Moment, bevor alles anders wurde, ist er auch hier gesessen. Galtür war zu dieser Zeit bereits sechs Tage lang eingeschneit und abgetrennt von der Außenwelt.
„Ich habe ein Schreiben an die Einheimischen und Gäste verfasst, in dem ich sie ermuntern wollte, durchzuhalten und einander zu helfen“, sagt Mattle. Fertig geschrieben habe er es nie. „Es ist plötzlich dunkel geworden und an den Fensterscheiben war überall Schnee. Da habe ich gewusst, das muss eine Lawine sein“, sagt der Bürgermeister.
Auch Gotthard Salner, im Februar 1999 Ortsstellenleiter der Bergrettung in Galtür, erinnert sich an das Unglück: „Ich war im Haus meines Bruders. Er war es, der die Lawine kommen sehen und laut zu schreien begonnen hat – dann sind wir gerannt.“ Salner wurde unter den Schneemassen begraben, konnte sich aber selbst befreien und rettete vier weiteren Menschen das Leben. Er grub sie mit bloßen Händen aus.
Mehr dazu auf der Website des ÖBRD-Bundesverbandes - bergrettung.at
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