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TT: Interview mit Nairz und Veider
Die Tiroler Tageszeitung (TT) veröffentlichte jüngst eine Sonderbeilage zu ihrem Blatt, in dem die Bergrettung Tirol ausführlich vorgestellt wird. Darin findet sich ein Interview mit den leitenden Tiroler Bergrettern Kurt Nairz und Peter Veider.

Hinweis: Sie finden die gesamte Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung vom 23. November 2009 als PDF-Downloads am Ende dieser Story ...
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Interview über die sich ändernden Anforderungen an eine Freiwilligenorganisation, wie sie die Bergrettung auch in Tirol ist.

 

Herr Nairz, Sie sind seit März 2009 neuer Landesleiter der Bergrettung Tirol. Welche Herausforderungen haben auf Sie gewartet?

Kurt Nairz: Ich glaube, die größte Herausforderung für die Bergrettung ist, immer auf dem neuesten Stand der Einsatztechnik zu bleiben. Es gibt eine Vielzahl an Neuerungen, vor allem im technischen Bereich, mit denen man lernen muss umzugehen. Das ist eine enorme Aufgabe für alle.

Man darf nicht vergessen, dass die Bergretter alle Freiwillige sind, die sich in ihrer Freizeit für andere engagieren – zum Teil unter Einsatz des eigenen Lebens. Gleichzeitig muss die Hilfe unter höchst professionellen Aspekten erfolgen.

Peter Veider: Gerade in diesem Bereich merkt man den enormen Spagat, den die Bergrettung schaffen muss – zwischen der Freiwilligenarbeit und dem professionellen Anspruch, den wir, aber auch andere, an uns haben.

Professionalität ist wichtig. Wie stark ist dieser Druck von außen?

Peter Veider: Die Patienten erwarten, dass die Bergretter professionelle Arbeit leisten. Man muss sich ja klar sein, dass die Personen, denen wir helfen müssen, in einer absoluten Ausnahmesituation sind. Sie brauchen vom ersten Moment an das Vertrauen, dass sie sich in guten Händen befinden.

Kurt Nairz: Aber nicht nur der Zugang zum Patienten muss passen. Professionalität wird auch von den Geldgebern verlangt – von den zahlreichen Förderern und Sponsoren bis hin zur öffentlichen Hand.

Peter Veider: Das heißt, wir haben Rahmenbedingungen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Da muss dann mitunter auch das Gefühl der Freiheitsliebe und Naturverbundenheit entsprechend eingeordnet werden. Im Prinzip geht es darum, ein Leitbild für die Bergrettung zu finden, das beidem gerecht wird – der Freude, in der Natur unterwegs zu sein, und dem Engagement für andere. An diesem Leitbild wollen wir in Zukunft verstärkt arbeiten.

Wie sehen Sie den Stellenwert der Bergrettung – auch im internationalen Vergleich?

Kurt Nairz: Wir brauchen den Vergleich – auch international – wirklich nicht zu scheuen. Unsere Leute sind gut ausgebildet und haben große Erfahrung in allen Alpinbereichen. Wir sind sogar nach außen hin durch unsere Ausrüstung und Kleidung als einheitliche Organisation zu erkennen.

Nicht vergessen sollte man die technischen Innovationen, die aus Tirol kommen und auch international gewürdigt werden: etwa von Firmen, die mit uns gemeinsam Produkte entwickeln, aber auch durch andere alpine Rettungsorganisationen.

Peter Veider: Wir haben derzeit zum Beispiel Anfragen aus Kanada und Norwegen, die unser technisches Know-how nutzen wollen. Das reicht dabei von neuen Geräten bis hin zu den Einsatzverfahren wie etwa der „Rasterfahndung im Schnee“, die wir für die Lawinensuche entwickelt haben. Die Bergrettung engagiert sich zunehmend im Bereich der Prävention.

Kurt Nairz: Das ist richtig. Wir sehen durch unsere Arbeit natürlich auch die Ursachen für die Unfälle. Dieses Know-how wollen wir weitergeben.

Richtige Tourenplanung: Welche Tipps können Sie für die Wintersaison geben?

Peter Veider: Auch wenn es so einfach klingt: Basis jeder Freizeitaktivität im alpinen Gelände ist die richtige Tourenplanung. Leider wird dieser nicht immer die richtige Aufmerksamkeit gewidmet. Da geht es u. a. um die entsprechende Routenplanung, dass man sich den Wetter- und Lawinenbericht anschaut. Wichtig ist auch, dass man vor Ort dann erneut alle Aspekte durchgeht.

Sich nochmals vergewissert, wie ist die Risikolage hier ganz konkret. Leider stellen wir auch immer wieder fest, dass viele bei Skitouren nicht einmal die Standardnotfallausrüstung dabei haben. Oder diese nicht richtig einsetzen bzw. beherrschen. Diese ist aber Basis, um im Notfall überhaupt eine Chance zu
haben.

Haben Sie neben ihrer Tätigkeit für die Bergrettung überhaupt noch Zeit, selbst in die Berge zu gehen?

Kurt Nairz: Das muss sein. Die Liebe zu den Bergen ist es ja auch, weshalb man sich in der Bergrettung engagiert. Ich hab jedenfalls für nächstes Jahr ein paar Routen, die ich gehen möchte. Eventuell gemeinsam mit Peter.

Peter Veider: Natürlich. Man muss sich die Zeit einfach nehmen, um selbst etwas zu machen. Dabei geht es auch darum, topfit zu bleiben, insbesondere, um die Aufgaben in der Bergrettung bewältigen zu können. Wenn ich nämlich all das, was ich als Ausbildungsleiter von anderen verlange, nicht mehr selbst erfüllen kann, dann muss ich es lassen.

Das Gespräch führte Christa Hofer.
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Tiroler Tageszeitung, 23. November 2009, ÖBRD-Sonderbeilage:

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