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Polizei trainiert Gebirgslandungen
Piloten des Innenministeriums gelten international als Virtuosen - auch bei Rettungs- und Such-Einsätzen im Hochgebirge. Derzeit werden sie auf Eurocopter eingeschult, Maschinen der neuesten Generation.

Feature von Harald Manzl & Gerald Lehner, ORF

Bordrechner unterstützt Multitasking
Der Computer übernimmt bei den neuen Eurocopter-Hubschraubern (EC 135) des Innenministeriums bzw. der Flugpolizei einige Funktionen - unter anderem eine verbesserte Stabilisierung des generell eher labilen und schwierig zu fliegenden Fluggerätes Hubschrauber.

  Jahrelanges Training
Es hat etwas vom Tanz auf des Messers Schneide: Hochgebirgslandungen sind die hohe Schule des Hubschrauberfliegens. Österreichische Piloten genießen in dieser Disziplin weltweit einen guten Ruf.

Das Können bekommt kein Pilot in den Schoß gelegt. Fliegerische Genauigkeit ist Resultat jahrelangen Trainings. Jeder Trainingstag beginnt mit dem Briefing im amtlichen Stützpunkt.

Planung auf Grundlage des Gewichtes
Fluglehrer Alfred Pritz analysiert mit Pilot Christian Graf, der auf die neue Maschine trainiert wird, vor dem Start die Flugdaten.

Dazu gehören die Beladung der Maschine, die detaillierten Wetterinformationen, die geplante Flugroute und vieles mehr.

  Mehr als 1.000 KW unter dem Rotor
Der neue Hubschraubertyp spielt alle Stückerl. Jeder EC 135 ist mit zwei Turbinen ausgerüstet, die zwei Mal etwa 520 Kilowatt leisten (ca. 700 PS) - ein wichtiges Potenzial und Kraftpaket für den Rettungs- oder Sucheinsatz in der dünnen Luft des Hochgebirges oder bei talnahen Fahndungen.

Christian Graf versucht die Instruktionen gleich umzusetzen. Die Steuerung eines Hubschraubers ist ein sehr komplexes System - die hochalpinen Bedingungen rauben viele Toleranzen für Fehler, die in tieferen Regionen da sind.

Trainer Pritz: "Fliegen sollte auch beim Training der Flugschüler selbst, sonst lernt er es ja nicht. Das ist ein zweischneidiges Schwert, denn man muss sich auch praktisch an die Gefahren heranstasten, um zu spüren und zu kennen, wo sie liegen." 

"Wir müssen als Trainer jederzeit eingreifen können, wenn es Probleme gibt. Es gab in der Vergangenheit schon öfter Fälle beim Hubschraubertraining, wo man nur noch Schadensbegrenzung machen kann."

 Wind als wichtiger Faktor
Zur hohen Schule der Fliegerei gehören Seilbergungen im Hochgebirge und an Felswänden. Das sei mit den neuen Maschinen ein spezielles Thema, denn ein Manko sei die gelegentliche Windempfindlichkeit des EC 135, sagen Piloten. Umso wichtiger ist die Funk-Kommunikation zwischen Flughelfer bzw. Flugretter, der am Tau hängt, und dem Piloten.

Ein Dutzend Mal werden beim Training verschiedene Varianten der Seilbergung durchgespielt. Das zerre schon an den Kräften, sagt Christian Graf.

Nach etwa 100 Flugstunden beherrschen die Piloten jeden Handgriff - vermutlich auch im Schlaf. Das müsse so sein: In brenzligen Situationen bleiben nur Augenblicke um lebensrettende Entscheidungen zu treffen.

  Leichte Kufenberührungen auf Gipfeln, schmalen Graten und in steilen Schneeflanken ermöglichen das rasche Absetzen von Flug- und Bergrettern sowie Alpinpolizisten - ohne direkte Landung.

Hohe Anforderungen

Der erfahrene Hubschrauberpilot Christian Graf von der Flugpolizei muss sich für den neuen Typ EC 135 - trotz seiner vielen Flugstunden auf anderen Typen - manches neu erarbeiten, um wichtige Abläufe zu automatisieren:

"Das erfordert sehr hohe Konzentration. Die neue Maschine fordert einen zwar körperlich nicht zusätzlich, aber die Schulungsphase kann mental sehr anstrengend sein."

Im stabilen Vorwärts- bzw. Reiseflug seien durch die rechnergestützte Steuerung beispielsweise weniger Überwachungs- und Justierungsmaßnahmen an Pitch, Steuerknüppel und Pedalen nötig als bei früheren Typen, sagt der erfahrene EC 135-Pilot Reinhard Kraxner, der beim ÖAMTC die Flotte leitet. 

  Jayhawk der U.S. Coast Guard mit Rettungsschwimmer über dem Pazifik

Aktuelle technische Grenzen
Die amerikanische Küstenwache verfügt in ihren Jayhawk-Rettungshubschraubern über noch wesentlich ausgefeiltere Rechner-, Radar-, GPS-, Pitch- und Ruder-Systeme, die ein sehr stabiles Schweben in konstanter Höhe selbst bei schweren Stürmen über dem Ozean ermöglichen ("Hovering").

"Diese Systeme sind aber noch immer eine Gewichtsfrage und für kleine bis mittlere Hubschrauber heute noch kein Thema", sagt Rettungsflieger Kraxner.

--------- Aus dem ARCHIV ---------

Von Werner Senn, Hubschrauberpilot, Jurist und Leiter der Flugpolizei im Innenministerium:
Historische Entwicklung der Flugrettung in Österreich 

ORF.at
flugpolizei.at 

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