Offener Brief des ÖBRD an den BAYERISCHEN RUNDFUNK (BR). Die TV-Sendung "Rundschau" zeigte jüngst eine Reportage, in der Uralt-Klischees und Vorurteile über Bergurlauber aus Norddeutschland und den ÖBRD aufgewärmt wurden.
Weiters mutierte der ÖBRD in dieser Story des deutschen Fernsehens wieder einmal unfreiwillig zur "Bergwacht" - dieses Mal nicht nur in einer fiktiven Seifenoper sondern in einer seriösen Nachrichtensendung.
Und hier die Post nach München. Absender:
ÖBRD-Landesleitung Tirol & Fachreferat Öffentlichkeitsarbeit im ÖBRD-Bundesverband
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An den Bayerischen Rundfunk (BR), Intendanz, Chefredaktion, Büro Wien & Zentrale München, Redaktion „Rundschau“ des Bayerischen Fernsehens
BETREFF: ÖBRD-Stellungnahme und Kritik zu Ihrem TV-Beitrag über die Bergrettung bzw. alpine Gefahren in Österreich in der BR-„Rundschau!“ am Freitag, 15. Juli 2011, um 18.45 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren beim BR!
1. Als ehrenamtliche Bergrettungsmänner und Funktionsträger für Öffentlichkeitsarbeit im ÖBRD sind wir erstaunt über die (mangelnde) journalistische Qualität bzw. mangelnde Sorgfalt in Ihrem TV-Bericht über Österreichs Bergrettung bzw. die alpine Unfall-Statistik (gesendet in der BR-Rundschau am 15. Juli um 18.45 Uhr).
2. Ein Teil unserer (ehrenamtlichen) Fachleute hat sich für Ihre Dreharbeiten beruflich und privat freigenommen (Familienleben, Sport) bzw. hat andere Verpflichtungen abgesagt, um Ihrer Bitte um Kooperation gut und bestmöglich zu entsprechen. Wir haben unsere Logistik Ihrem Team gerne zur Verfügung gestellt.
3. Das Ergebnis und die „Qualität“ Ihres Berichtes haben uns aus mehreren Gründen verärgert: Die Kernaussagen Ihrer Story über „die Preußen“ etc. kommt über das Niveau altbekannter Klischeehaftigkeit nicht hinaus. Es kann nicht Sinn einer solchen Geschichte sein, uraltes Kopfkino gegen „Preißn“ wieder aufzuwärmen. Wir machen die Erfahrung, dass gerade Bergwanderer und Bergsteiger aus Norddeutschland bzw. den Niederlanden - Männer, Frauen und Jugendliche - oft bestens ausgerüstet und vorbereitet sind. Ihre TV-Bilder von einem Beziehungsstreit unter deutschen Alpinisten bei der Jamtalhütte bzw. von Seilbahntouristen in Halbschuhen bzw. Sandalen bei einer Bergstation sind aus dem Zusammenhang gerissene Bilder gewesen. Diese Art von Journalismus zeigt einmal mehr, wie sich besonders TV-Bilder dazu eignen, künstliche Realitäten zu erzeugen und Vorurteile zu verstärken.
4. Ihr Kamera-Team hat von unseren ÖBRD-Leuten beim Ausbildungszentrum im Jamtal eine Vielzahl von seriösen Inhalten vorgeführt und präsentiert bekommen, was die alpine Unfallverhütung und Tipps für Wanderer und Bergsteiger beinhaltete. Ihr Redakteur hat es dagegen vorgezogen, seine vorgefassten Meinungen zu bebildern und auf journalistische Qualität in seinem Beitrag fast vollständig zu verzichten.

5. Wir sind nicht dazu da, Ihre journalistischen Freiheiten und Praktiken zu kritisieren, zu begrenzen oder uns über diese zu beschweren. Doch gerade von einem öffentlich-rechtlichen Qualitätssender wie dem BR (von dem wir onst neben den Niederungen und Tiefpunkten der europäischen Fernsehlandschaft fast ausschließlich TV-Spitzenprodukte gewohnt sind) Beiträge dieser „Güteklasse“ serviert zu bekommen, das war wirklich ärgerlich und überraschend.
6. Dass wir von Ihrer Moderatorin (in dem vom Redakteur geschriebenen Text) und in dessen Text selbst hartnäckig als „BERGWACHT“ bezeichnet werden, war ein weiteres Detail mangelnder Recherche oder auch Desinteresses. Eine „Bergwacht“ in Zusammenhang mit dem alpinen Rettungswesen gibt es in Österreich schon seit 1945 nicht mehr, als das Land von der damals nationalsozialistischen Bergwacht des Alpenvereins „befreit“ wurde. Zu diesem Thema und unserer Debatte mit dem ZDF könnten Sie hier – bei Interesse – mehr lesen:
http://www.bergrettung.at/index.php?id=743
7. Wir kämen im Gegenzug nicht auf die Idee, den von uns qualitativ oft so geschätzten Bayerischen Rundfunk in seiner rechtlich geschützten Corporate Identity plötzlich als Hessischen Rundfunk oder Süddeutschen Rundfunk zu bezeichnen, nur weil es uns gerade so einfällt. Wir sind der Österreichische Bergrettungsdienst, wir sind Bergretterinnen und Bergretter – nicht mehr und nicht weniger. Wir sind keine Bergwacht. Die Bezeichnung BERGRETTUNG ist rechtlich geschützt.
Mit freundlichen Grüßen, Ihre
- Peter Veider, Berg- und Skiführer (Matrei am Brenner & Telfs), Ausbildungsleiter, Geschäftsführer & Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Bergrettung Tirol
- Gerald Lehner (Salzburg & Telfs), Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Bundesverband des Österreichischen Bergrettungsdienstes, stellv. Fachreferent der ÖBRD-Landesleitung Tirol