Suche
 
>> Start / Archiv
ÖBRD in Geldnot: Reduzierung der Einsätze?
Viel Risiko, keine Kostendeckung: Tirols Bergretter denken laut über eine Reduzierung ihrer Arbeit nach. Nicht nur in Tirol fühlt sich der ehrenamtliche ÖBRD zu wenig von Sozialversicherungen unterstützt.

Von Matthias Christler & Irene Rapp, Tiroler Tageszeitung

Es ist der Paragraph 131/Absatz 4 im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz, der den Bergrettern das Leben schwer macht: Denn laut dieser Regelung werden die Bergungskosten und die Kosten der Beförderung ins Tal bei alpinen Freizeitunfällen nicht ersetzt.

Mit einer privaten Versicherung haben zwar viele Freizeitsportler für diesen Ernstfall vorgesorgt. So manches Bergopfer - meist aus dem Ausland - ist aber nicht entsprechend abgesichert und macht sich nach der Rettung oft mehr oder weniger aus dem Staub.

  Peter Veider, Geschäftsführer und Ausbildungschef der Tiroler Bergrettung: "Das ist vor allem, wenn der Einsatz mehrere Tage oder Wochen dauert - mit 10 bis 20 Leuten, denn dann kann das mehrere 10.000 Euro kosten." Die bittere Folge: Derartige Ausfälle reißen in Summe durchschnittlich ein 80.000 Euro-Loch pro Jahr ins Budget.

Reduzierung der Einsätze und Suchaktionen?
Mit ein Grund, warum die 4000 Tiroler Bergretter derzeit über eine Reduzierung ihrer freiwilligen Einsätze nachdenken. „Es gibt Überlegungen, Suchaktionen nach drei oder vier Tagen abzubrechen, wenn die Kosten nicht über eine Versicherung abgedeckt oder privat aufgebracht werden können", sagt Veider.

In Südtirol sei diese Vorgehensweise bereits üblich, dass man „mit den Angehörigen abklärt, ob die eine langfristige Suche eines Vermissten wollen - und zahlen können".

Warum dieses Geld für die Bergrettung so wichtig ist, zeigt ein Blick auf ihre finanzielle Situation: So fällt die öffentliche Unterstützung der alpinen Retter nicht gerade üppig aus. Das Land Tirol hat zwar seine Förderung für 2009 erstmals seit Jahren kräftig erhöht - auf rund 720.000 Euro. Zwei Drittel ihres Budgets erwirtschaftet die Tiroler Bergrettung jedoch selbst. Das Geld aus den Sucheinsätzen wird daher dringend für Ausbildung und Ausrüstung benötigt.

„Wir sind nicht irgendwer"

Ein Umstand, der auch Reinhold Dörflinger, Präsident der Österreichischen Bergrettung sauer aufstößt. „Die Wertschätzung für unsere Leistung ist nicht so, wie man sie sich wünschen würde. Wir sind ja nicht irgendwer", klagt er.

So hätten Österreichs Bergretter 2008 bundesweit 73.000 Einsatzstunden geleistet - das sind etwa 8,33 Jahre. Bei einem theoretischen Stundensatz von 50 Euro wäre das ein finanzieller Gegenwert von rund 3,7 Millionen Euro.

 Reinhold Dörflinger: „Wenn man bedenkt, dass 2008 durch in- und ausländische Gäste in Österreich 22,7 Milliarden Euro eingenommen wurden, sind unsere finanziellen Probleme noch unverständlicher.

Seit langem Kritik an Sozialversicherungsgesetz
Über den Paragraphen 131/Absatz 4 im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz müsse man daher nachdenken dürfen.

„Denn warum wird der Krankenhaustransport eines am Fußballplatz verunfallten Sportlers bezahlt, der vom Wanderer am Berg ins Tal hingegen nicht? Diese Regelung wird dem heutigen Freizeitboom nicht gerecht", sagt Dörflinger.

Und noch eines wünscht sich der Kärntner für den Bundesverband. „Dass wir nicht jedes Jahr aufs Neue bei den Ministerien um Gelder ansuchen müssen, sondern vielleicht eine fixe Zusage für drei Jahre erhalten. Wir kommen uns wirklich wie Bittsteller vor."

Unfreiwillige Bittsteller
Bittsteller, denen langsam der Geduldsfaden zerreißt und die drohende Zukunftsvisionen provokant formulieren: „Man wird sich überlegen müssen, wenn es  finanziell nicht anders möglich ist, auch Lawinenopfer - die mit höchster Wahrscheinlichkeit tot sind - nicht mit äußerst großem Personal- und Zeitaufwand sofort auszugraben.", sagt Peter Veider.
 
 Reinhard Kraxner

Hilfe, für die kein Geld fließt
Auch für ÖAMTC-Hubschraubereinsätze gibt es nicht immer Geld. Davon kann Reinhard Kraxner, Geschäftsführer des Christophorus Flugrettungsvereins, ein Lied singen.

Bei alpinen Einsätzen stellt der ÖAMTC dem Verunfallten zwar eine Rechnung, die laut Kraxner zu 94 Prozent aufgrund einer privaten Unfallversicherung gezahlt wird. Der Rest ist jedoch meist uneinbringbar.

Viele Fälle, wo nicht gezahlt wird
Noch größer fällt das Loch im Tal aus: Denn Flüge werden von der Sozialversicherung nur gezahlt, wenn sie medizinisch begründet sind. In diesem Fall gibt es eine Pauschale für die Rettung aus der Luft. Zudem greift die private Unfallversicherung oft nicht, da diese nur bei Unfällen - nicht aber bei einer Krankheit zahlt.

Im Tal bleiben somit 33 Prozent der ÖAMTC-Flüge unbezahlt, dem Patienten wird nämlich keine Rechnung gestellt. Die Folge: „2008 hatten wir bundesweit ein Minus von 3,7 Mio. Euro", sagt Kraxner.

www.tt.com

--------------------------
ÖBRD-Finanzierung: Mehr Verlässlichkeit von Bundesregierung nötig 
Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) ersucht die Bundesregierung, diese möge dringend benötigte und bereits von früheren Ministern bzw. Ministerinnen zugesagte Subventionen für das alpine Rettungswesen überweisen. Die Finanzierung der ehrenamtlichen Bergrettung durch den Bund sollte künftig verlässlicher und vor allem - bezogen auf jährliche Auszahlung - zeitgerechter erfolgen. Lesen Sie mehr ...

Artikel weiterempfehlen
Wussten Sie, dass...

- 4.000 ehrenamtliche Tiroler Bergretter/innen jährlich zu 4.000 Einsätzen einrücken,
- dabei 5.000 Menschen in Bergnot helfen,
- mit der Hundestaffel bei Lawinen und Sucheinsätzen nach Vermissten suchen
- und mit Spezialtrupps für Canyoning-Unfälle und Spaltenbergungen auf Gletschern schnell dort sind, wo sie gebraucht werden.

Mit einem Förderbeitrag von nur 22 Euro unterstützen Sie die Bergrettung bei der Beschaffung von Ausrüstung und versichern sich und Ihre Familienmitglieder für Bergunfälle. Werden Sie noch heute Förderer.


Förderershop & Intranetbereich...
Benutzername:
Kennwort:
Kennwort vergessen!

Sponsorlogo bfi-Tirol

Sponsorlogo Hochfilzer

Sponsorlogo medalp

 
Copyright by Bergrettung TIROL. Alle Rechte vorbehalten. Titelfotos von Matthias Burtscher