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Kals am Großglockner: Bergrettungspionier Gratz ...
Johann Gratz ist seit dem 19. Lebensjahr bei der Bergrettung Kals. Nun macht er als Ortsstellenleiter Platz für Jüngere. In 40 Jahren hat dieser Tiroler Bergretter viel erlebt ...

Von Sabine Kuess - Tiroler Tageszeitung

Kals, 12. Dezember 2008 - Johann Gratz feiert heuer sein 40-Jahr-Jubiläum bei der Bergrettung Kals. In den vier Jahrzehnten hat sich sehr viel verändert, wie er erzählt: „Durch das Handy ist der Einsatz gezielter, wir können planen, was wir für die Versorgung mitnehmen müssen." Gratz war Einsatzleiter, Bergretter, Flugretter. „Am schönsten war die Zeit als Hundeführer, obwohl ich in dieser Funktion die wenigsten Einsätze hatte", sagt der 58-Jährige.

Jüngeren Platz machen
Heute ist er noch als Ortsstellenleiter tätig, diese Aufgabe hat er bereits 14 Jahre. Bei den Neuwahlen nächstes Jahr möchte Gratz nicht mehr antreten. „Meine Küche war jetzt lange genug die Einsatzzentrale. Obwohl wir seit 2006 ein neues Einsatzgebäude haben, hat sich doch sehr viel bei mir zu Hause abgespielt", meint Gratz. Und mit der Technik kenne er sich auch nicht so gut aus, deshalb überlasse er den Platz einem Jüngeren.

Blick in die Vergangenheit
„Es ist schon deprimierend, wir haben vor den 90ern über Jahre hindurch keine Personen lebend gerettet", erinnert sich Gratz. Viele der Verletzten sind erfroren, die Hilfe kam damals einfach zu spät. Oft wurden Personen erst am nächsten Tag von Angehörigen als vermisst gemeldet. „Manchmal habe ich noch diese Bilder vor Augen. Gewisse Einsätze vergisst man einfach nicht", schildert Gratz. Heute bekommen die Bergretter nach schweren Hilfsleistungen psychologische Betreuung, das gab es früher nicht, wie Gratz erzählt.

Mit Insulin gerettet
Trotz dieser Schicksalschläge gab es in seinen Dienstjahren immer wieder erfreuliche Ereignisse. Im Jahr 2000 war Kals im Winter von der -Außenwelt abgeschnitten. Einer Frau ging das Insulin aus. Gratz ließ sich mit dem Hubschrauber auf eine Anhöhe über dem Haus fliegen und stieg zu der Diabetikerin ab. „Ich bin auf mich allein gestellt in der Nacht über den Steilhang hinuntergestiegen. Für die Frau war es lebensnotwendig. Es war gefährlich, aber eine schöne Sache", freut sich der Ortsstellenleiter heute. Die größte Freude habe man, wenn ein Verletzter nach der Bergung überlebt, obwohl es kaum noch Hoffnung gegeben hatte.

Besuch als Dankeschön
Es ist schon passiert, dass Touristen mit einem Geschenk wiederkamen, erzählt der Kalser. Aber nicht nur Geschenke sind eine schöne Geste, sondern auch ein Besuch der Geretteten nach einiger Zeit hat ihn immer sehr gefreut. In den letzten zehn Jahren blieb es immer sehr ruhig. Die Leute werden auch besser und rüsten sich richtig aus, wie Gratz erklärt. Das Problem sei aber die Selbstüberschätzung der Bergsteiger und auch, dass viele mit der Ausrüstung nicht umgehen können. „Ein Schnupperkurs reicht da nicht aus", so Gratz.

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Unserem Hans Gratz gebührt großer Dank - auch aus den eigenen Reihen, gerade auch für seine Funktion als Wächter an der mittlerweile als Parade-Anstiegsroute auf Österreichs höchsten Berg bekannten Anstiegsroute zum Großglockner. Möge ihm als Bergretter und weiteres Mitglied unserer Ortsstelle Kals noch viel Gipfelglück in seinen geliebten Bergen vergönnt sein.

Reinhold Dörflinger, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes, Klagenfurt - Dr. Norbert Wolf, Landesleiter der Bergrettung Tirol
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Klimawandel macht Glockner gefährlicher
Die Besteigung des Großglockners entpuppt sich zunehmend als Wagnis - durch Gefahren wie Stein- und Eisschlag. Besonders der Normalweg von Kärnten wird immer gefährlicher. Immer mehr Alpinisten weichen auf die Osttiroler Seite aus.
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