Nahe unserem Ausbildungszentrum im Jamtal bei Galtür haben wir klassische Felsklettereien „wiederbelebt“. Sie gehen auf den deutschen Alpenforscher, Kletter- und Skipionier Wilhelm Paulcke zurück (1873 - 1949).
Von Peter Veider
Diese Touren auf prachtvolle Gipfel der Tiroler Paznaun-Region an der Grenze zur Schweiz (Kanton Graubünden) wurden nun mit modernen Bohrhaken versehen; an Standplätzen und guten Punkten für Zwischensicherungen: Paulcke Turm, Gamshorn, Getschnerspitzen, Große Totennadel:
Das Projekt haben wir Mitte August 2009 abgeschlossen. Die Liste der beteiligten Bergretter bzw. Bergführer des ÖBRD folgt noch.
Uwe Eder (ÖBRD Mayrhofen im Zillertal), Bergführer unseres Ausbildungsteams, beim Einrichten im Jamtal. Er hat auch die Topos gezeichnet ...
Moderner Standard bei Absicherung
Lange waren diese Klettereien (fast) in Vergessenheit. Insider kannten die prachtvollen Touren. Und wenn sich jemand in die Jamtaler Paulcke-Führen verirrte, dann war alles selbst abzusichern; mit entsprechendem Risiko, wenn Können und Erfahrung fehlten. Sie sind großteils nicht sehr schwierig, der obere vierte Grad in sehr ausgesetztem Gelände sollte jedoch sicher im Vorstieg geklettert werden können.
Landschaftlich sehr reizvoll
Hier bieten nicht nur die vier Seillängen der längsten Führe ein wunderschönes Erlebnis des hochalpinen Felskletterns – mit entsprechenden Perspektiven und Aussichten auf die äußerst reizvolle Hochkar-, Gletscher-, Grat- und Gipfellandschaft im direkten Grenzgebiet Tirols zu Graubünden (Schweiz).
Primär wurden die Routen neu eingerichtet, weil wir für unser Ausbildungszentrum im Jamtal (direkt neben der Jamtal-Hütte des Deutschen Alpenvereins) gut abgesichertes Trainings- und Übungsgelände benötigen.
Wir möchten, dass die neuen Möglichkeiten allen Interessierten offen stehen sollen – also auch privaten Kletterern oder Teilnehmern von Alpinkursen, die zum Beispiel in der DAV-Jamtalhütte logieren.
ÖBRD-Infrastruktur auch für andere nutzbar
Alle Routen wurden von der Bergrettung Tirol eingebohrt und saniert. Es handelt sich in der Regel um alte Klassiker, die durch die Absicherung mit Bohrhaken wieder mehr Belebung erfahren sollten. Zudem ist es auch für das ÖBRD-Ausbildungszentrum sehr wichtig, dass wir eine alpine bzw. hochalpine Infrastruktur für Kurse unserer Nachwuchsleute haben.
Auf Wilhelm Paulcke, den Erstbegeher der Jamtaler Felstouren, geht auch ein legendäres Lehrbuch zurück, das er zusammen mit österreichischen Bergsteiger und Forscher Emil Zsigmondy herausbrachte – einen Bestseller. 1922 erschien bereits die siebente Auflage:
"Die Gefahren der Alpen. Erfahrungen und Ratschlaege ..."
Sanierte Touren von Wilhelm Paulcke - Topos als Downloads (PDF)
Topos 1: Paulcke Turm
Topos 2: Gamshorn
Topos 3: Getschner Spitzen
Topos 4: Große Totennadel
Jamtalhütte des DAV
WICHTIGER HINWEIS: Dieses Projekt entstand aus dem Bestreben heraus, für die Ausbildung von Bergrettungsleuten gut abgesicherte Möglichkeiten im steilen Fels in hochalpiner Umgebung zu schaffen. Die Benutzung durch andere Alpinisten und Kletterer ist erlaubt und erfolgt auf deren eigene Verantwortung und mit eigener Absicherung. Nicht nur aufgrund der hochalpinen Bedingungen (Steinschlag, extreme Temperatur-Unterschiede ...) ist bei allen Begehungen - ob durch Bergretter oder andere - immer augenscheinlich zu überprüfen, ob die einzelnen Standplätze bzw. deren Bohrhaken intakt und benutzbar sind.
Wer sich Begutachtungen oder Einschätzungen aktueller Gegebenheiten selbst nicht zutraut, sollte unbedingt einen staatlich geprüften Bergführer oder eine Bergführerin für diese Klettertouren engagieren.
Biografischer Hintergrund (aus Wikipedia): Wilhelm Paulcke war Sohn eines früh verstorbenen Apothekers aus Leipzig. 1881 zog Wilhelm Paulcke mit seinen Eltern nach Davos, welche damit den Grundstein für seine Schnee- und Skibegeisterung schufen. Später war er Schüler am Gymnasium Hohenbaden im Schwarzwald. Ungefähr 1885 gelang ihm in dieser Zeit die bergsteigerische Erschließung des Battertfelsens.
Am 5. Januar 1896 gelang ihm mit dem Erreichen des Oberalpstock-Gipfels die erste Skibesteigung eines Dreitausenders. 1897 durchquerte er mit vier Begleitern das Berner Oberland mit einer selbstentworfenen Skibindung, die aufgrund von Vorteilen gegenüber den herkömmlichen Telemarkbindungen nach nicht weniger als 180 verschiedenen Vorläufermodellen und einigen Entwürfen so übernommen wurde.
Paulcke promovierte 1899 in Freiburg im Breisgau, habilitierte 1901 an der Technischen Hochschule Karlsruhe und war dort von 1906 bis 1935 Professor für Geologie und Mineralogie.
Er gilt als einer der Väter der Lawinenforschung und auch als Pionier des militärischen Skibergsteigens in Europa. Er war ebenso der Initiator des Hochschulsports und der Hochschulsportanlage in Karlsruhe.
Wilhelm Paulcke war 1903 Initiator eines überregionalen Skiverbandes und 1905 Mitbegründer des Deutschen Skiverbandes. In Karlsruhe wurde 1993 der Paulckeplatz nach ihm benannt.
------------- Weiteres Sanierungsprojekt des ÖBRD Tirol ...
Neue Abseil-Piste auf dem Fußstein
Neben alpinen Vereinen ist auch die Bergrettung eine Institution, die Alpinismus, Bergsteigen und Klettern bestmöglich unterstützt. Dabei tun Bergretter auch außerhalb von Einsatzzeiten viel, um Unfälle verhüten zu helfen, Risken zu minimieren und gute Erlebnisse in den Bergen zu maximieren. Lesen Sie mehr ...