Suche
 
>> Start / Archiv
Interview mit Ex-Landesleiter Norbert Wolf ...
Nach sechs Jahren als Tiroler ÖBRD-Landesleiter stellte sich der Rechtsanwalt Dr. Norbert Wolf nicht mehr der Wahl. Die Neuwahl des Führungsteams der Tiroler Bergrettung fand am 20. März 2009 statt.

Der scheidende Landesleiter ist freiberuflicher Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit eigener Kanzlei im Tiroler Unterland und hat mit seiner Frau zwei schulpflichtige Kinder. Er will sich in Zukunft verstärkt hauptberuflichen Verpflichtungen und der Familie widmen.

 
Ehrenamt, das zum Profi-Zweitjob wird: "Irgendwann leidet die Familie darunter ..."

Am 20. März 2009 wurde die Landesleitung Tirol des Österreichischen Bergrettungsdienstes neu gewählt. Sie hatten sich entschieden, nicht mehr anzutreten. Warum?

NORBERT WOLF: Es sind vor allem zeitliche Gründe. Es wird immer schwieriger, Beruf, Familie und die Funktion des Landesleiters unter einen Hut zu bringen. Denn auch wenn es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt, entspricht der Dienst eher dem eines Halbtagsjobs im Management. Eine Zeitlang kann man das entsprechend handhaben, auf Dauer als Freiberufler aber leider nicht.

Wie lange waren Sie in der Landesleitung tätig?

NORBERT WOLF: Anfangs habe ich ein Jahr lang eng mit dem leider im Februar verstorbenen Hans Obholzer zusammengearbeitet. Er hat mich quasi eingeschult. Anschließend war ich drei Jahre Landesleiter-Stellvertreter und in den letzten sechs Jahren als Landesleiter tätig. Das sind also zehn Jahre und somit eine lange Zeit.

Eine Zeit, die ich nicht im Geringsten bereue. Aber, wie gesagt. Auf Dauer geht es an die Substanz und irgendwann beginnt das Umfeld, vor allem die Familie, darunter zu leiden. So gern ich also diese Funktion ausgeübt habe, musste die Entscheidung dann doch so ausfallen.

Wie sieht Ihre Zehn-Jahres-Bilanz aus?

NORBERT WOLF: Von Anfang an gab es drei Ziele, an denen die Bergrettung Tirol verstärkt arbeiten wollte: Alarmierung, Ausbildung und Ausrüstung. In all diesen Bereichen gab es Aufholbedarf. Als Beispiel: Damals gab es verschiedenste Alarmierungssysteme. Zum Teil mussten die einzelnen Bergretter sogar noch direkt angerufen werden. Ziel musste es also sein, eine zentrale Alarmierung zu erreichen, was mit der Leitstelle dann ja auch gelungen ist.

Was die Ausrüstung betrifft, so haben wir inzwischen wahnsinnig viel geschafft. So wurde etwa die Personenausrüstung eingeführt. Auch das äußere Erscheinungsbild hat sich geändert, ist einheitlich geworden. Und: Wir verfügen heute – dank Innovationen aus den eigenen Reihen – über modernste Techniken. Wobei versucht wurde, diese effizienter zu machen und sie gleichzeitig zu vereinfachen.

Im Bereich der Ausbildung wiederum ist für die Bergrettung Tirol mit der Errichtung des Ausbildungszentrums Jamtal ein jahrelanger Traum wahr geworden. Den Tiroler Bergrettern und den Anwärtern steht damit eine Infrastruktur zur Verfügung, wie es sie sonst in Österreich nicht gibt.

Was ich betonen möchte, ist, dass diese Ziele erreicht werden konnten, weil ich in all diesen Jahren ein gutes Team gehabt habe. Ohne die Unterstützung der Kameraden könnte man nämlich so viele Änderungen nicht umsetzen. Natürlich gab es immer wieder kritische Stimmen. Aber das muss auch so sein.

Wie beurteilen Sie den Stellenwert, das Image der Bergrettung Tirol?

NORBERT WOLF: Äußerst positiv. Mit all den Neuerungen und Verbesserungen hat sich gleichzeitig der Stellenwert der Bergrettung in der Gesellschaft geändert. Einerseits ist das Vertrauen in unsere Arbeit da, andererseits sind wir, was alpintechnische Bergearbeit und Fragen der Prävention betrifft, immer mehr als Experten gefragt. Und das nicht nur in Österreich.

Was können Sie Ihrem Nachfolger raten?

NORBERT WOLF: Es ist schwierig, Ratschläge zu geben. Aber ich glaube, besonders wichtig sind gutes Zeitmanagement und sich Prioritäten zu setzen. Außerdem braucht es ein gutes Team, das einem zur Seite steht. Dass man mit hundert Prozent hinter der Sache stehen muss, das versteht sich da schon von selbst.

Welchen Herausforderungen muss sich die Bergrettung in der nächsten Zeit stellen?

NORBERT WOLF: Durch neue Trendsportarten wie Eisfallklettern und Canyoning werden sich die Einsätze in diese Bereiche verlagern. Eine Herausforderung stellen auch die Klettersteige dar, deren Zahl in Tirol weiter steigt. Für all das braucht es entsprechend ausgebildete und ausgerüstete Experten. Weiters steht die Frage der Dienstfreistellung von Bergrettern an, die bei längerfristigen Berge- oder Suchaktionen notwendig ist.

Bewusst muss uns weiters sein, dass von den Rettern immer mehr Professionalität gefordert wird, auch wenn es sich um Freiwillige handelt. Die Anforderungen diesbezüglich steigen. Und sie müssen erfüllt werden, nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen – wenn man zum Beispiel an mögliche Haftungsfragen denkt. Ohne professionelle Ausbildung und Ausrüstung, ständiges Training und entsprechende Weiterbildung geht es nicht mehr.

Die Wirtschaftskrise beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen. Wie wird sie sich auf die Bergrettung Tirol auswirken?

NORBERT WOLF: Ich hoffe, nicht so stark, und dass uns Förderer und Sponsoren nicht im Stich lassen, sondern uns weiterhin unterstützen.

Wie sieht Ihre Zukunft in der Bergrettung aus?

NORBERT WOLF: Ich bin schon seit rund 25 Jahren Mitglied der Ortsstelle Kramsach und ich freu mich sehr, wieder direkt an der Basis mitarbeiten zu können – und zwar im vollen Umfang. Das ging in den vergangenen Jahren durch meine Arbeit als Landesleiter ja nur eingeschränkt. Auf das freue ich mich wirklich sehr.

Interview: Christa Hofer
---------------------------------------------------
Förderer-Pakete 2009 mit tollen Produkten ...

Für 2009 hat die Bergrettung Tirol wieder Pakete für Förderer geschnürt. Ab 22 Euro sind Sie mit der Bergeversicherung dabei. Als Bonus gegen günstigen Aufpreis warten Multifunktion-Schutzhelm, Heinz Zak-Bergrettungskalender und gute Rucksäcke auf Sie.
Mehr lesen...
Artikel weiterempfehlen
Wussten Sie, dass...

- 4.000 ehrenamtliche Tiroler Bergretter/innen jährlich zu 4.000 Einsätzen einrücken,
- dabei 5.000 Menschen in Bergnot helfen,
- mit der Hundestaffel bei Lawinen und Sucheinsätzen nach Vermissten suchen
- und mit Spezialtrupps für Canyoning-Unfälle und Spaltenbergungen auf Gletschern schnell dort sind, wo sie gebraucht werden.

Mit einem Förderbeitrag von nur 22 Euro unterstützen Sie die Bergrettung bei der Beschaffung von Ausrüstung und versichern sich und Ihre Familienmitglieder für Bergunfälle. Werden Sie noch heute Förderer.


Förderershop & Intranetbereich...
Benutzername:
Kennwort:
Kennwort vergessen!

Sponsorlogo bfi-Tirol

Sponsorlogo Hochfilzer

Sponsorlogo medalp

 
Copyright by Bergrettung TIROL. Alle Rechte vorbehalten. Titelfotos von Matthias Burtscher