Das Bergdrama um die vier vermissten Schneeschuhwanderer auf dem 3.660 Meter hohen Großvenediger endet glücklich. Dienstagfrüh wurden vier Personen vom Hubschrauber aus gesichtet und ins Tal geflogen.
Von tirol.ORF.at & ÖBRD
Die Vier wurden noch bei Dunkelheit am Dienstagmorgen im Bereich der Venedigerscharte von einer Besatzung des Hubschraubers Libelle 4 der Österreichischen Alpinpolizei geortet - mit Hilfe von Wärmebildkamera und Nachtsichtgeräten an Bord der modernen Maschine.
Laut dem Leiter der Bergrettung in Osttirol, Peter Ladstätter, seien die Deutschen in einem "sensationell guten Zustand" - angesichts der Tatsache, dass sie bei Sturm vier Tage und drei Nächte in großer Seehöhe auf dem Gletscher verbracht hätten. In den vergangenen Tagen waren Bergrettungsleute aus Salzburg und Tirol an einer Suchaktion beteiligt, die allerdings wegen der extremen Wetterbedingungen vorerst erfolglos blieb.
Kurt Nairz, Landesleiter der Bergrettung Tirol, und Estolf Müller, sein Amtskollege in Salzburg, beteiligten sich in Osttirol an der Planung der Einsätze. Nairz sagte gegenüber der Zeit im Bild des ORF, dass man zeitweise sehr um das Wohlergehen der Deutschen gebangt habe, weil ein gewaltiger Eissturm über das Massiv gezogen sei, der vorerst jede Hilfe verhindert hatte: "Ich war zum Teil auf das Schlimmste gefasst", so Nairz im ORF-Fernsehen.
Das Quartett wurde dann nach der Entdeckung Dienstagfrüh zum Matreier Tauernhaus ins Tal geflogen, wo sie weiter versorgt wurden. Unter den vermissten Deutschen befand sich auch der Pforzheimer Bürgermeister Alexander Uhlig (CDU), ein erfahrener Alpinist. Beteiligt war die Crew des Notarzthubschraubers Christophorus 7 aus Lienz. Laut Flugrettungsarzt Peter Kraler, sind die Bergsteiger nach der Rettung in "guter körperlicher Verfassung." Sie würden aber an leichter Unterkühlung leiden und an lokalen Kälteschäden an den Beinen. Deshalb wurde sie auch ins Krankenhaus Lienz zur Beobachtung gebracht.
Drei Nächte dieser Art sind laut Kraler eine enorme Herausforderung: "Das geht an die Substanz. Solche Situationen sind nur beherrschbar, wenn man zusammenhält, wenn man Disziplin hat, die körperliche Kondition hat und wenn man sich unterordnen kann", so der Arzt.
Die vier Bergsteiger seien gut ausgerüstet und vorbereitet gewesen. In der Extremsituation hätten sie richtig reagiert, erklärt Bergretter Peter Ladstätter. Nachdem sie sich im Nebel verirrt hätten, seien sie nicht mehr weitergegangen. Die Männer hatten eine Schneehöhle gebaut. Es war eine gut eingespielte Gruppe mit erfahrenen Alpinisten. Ein Gruppenmitglied hätte auch zwei 7.000er bestiegen.
Reinhold Dörflinger, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes, sagte, die Rettung sei zwar einerseits ein kleines Osterwunder, aber auch die Folge eines sehr besonnenen Verhaltens:
"Wir haben hier ein Musterbeispiel, wie man sich in den Bergen verhalten sollte. Vor Notsituationen ist niemand gefeit. Wichtig ist, dass man sich darauf vorbereitet. Sie haben ihre Gruppe auch nicht aufgeteilt, haben sich nicht getrennt und sind nicht in Panik umhergeirrt, was in vielen Fällen schon zu fürchterlichen Unfällen geführt hat. Zusammenbleiben, kühlen Kopf bewahren und wirksamen Schutz vor Wind und Wetter suchen, das ist das Erfolgsgeheimnis. Wer den Schneehöhlenbau im Vorfeld einer großen Tour trainiert, hat immer recht gute Karten“, sagte Dörflinger.
Gegend
Über die Venedigerscharte oberhalb der 3.000-Meter-Grenze verläuft der Normalweg von der Kürsingerhütte auf Salzburger Seite des Massivs zum 3.660 Meter hohen Gipfel. Hier mündet auch eine Route von der Osttiroler Seite her ein. Das Gebiet ist sehr spaltenreich.
Zerklüftetes Eis mit tiefen Spalten
Von der Venedigerscharte strömen gewaltige Gletscher im höchsten Kammbereich der Hohen Tauern nach mehreren Richtungen in die Täler, was zu stark zerrissenem Eis mit sehr tiefen Spalten führt; wo schon viele Bergsteiger in Gefahr kamen und einige ihr Leben verloren; darunter vor Jahren eine junge Bergführerin aus Frankreich. Allerdings sind um diese Jahreszeit dort oben noch gewaltige Schneemengen vorhanden, die die Spalten gut verdecken. Dieses natürliche Baumaterial für eine Unterkunft dürfte den Abgängigen das Leben gerettet haben.
Schneehöhle als einzige Möglichkeit
Es ist für viele, die um die Deutschen gebangt hatten, doch noch ein Osterwunder geworden. Nach Tagen und Nächten gab es nur noch die Hoffnung, dass sich das Quartett eingegraben hatte. Und das hat sich nun bestätigt; die einzige Möglichkeit, bei diesen Bedingungen im arktisch kalten Hochgebirge so lange zu überleben, ist eine behelfsmäßige Wärmeisolation gegen Wind und Kälte in einer Schneehöhle. In Verbindung mit guter Ausrüstung, die bei den Vier offensichtlich vorhanden war.
ORF-Interview: Siegfried Berger, Alpinpolizei
Schlechtwetter verhinderte zuerst Sucherfolg
Seit Samstag waren die vier Deutschen am Großvenediger abgängig. Sie waren zu einer Schneeschuhwanderung aufgebrochen - aber nicht mehr zurückgekehrt.
Die Suche am Ostersonntag und Ostermontag blieb erfolglos. Schlechtwetter hatte den Hilfseinsatz erschwert. Für Dienstag war besseres Wetter angesagt - gleich beim ersten Suchflug am Morgen konnten die Vermissten offenbar geortet werden.
Seit Samstag waren die vier Deutschen am Großvenediger abgängig. Sie waren zu einer Schneeschuhwanderung aufgebrochen - aber nicht mehr zurückgekehrt.
Interview während der Suchaktion:
Peter Ladstätter, Bergretter in Osttirol
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Wettlauf gegen die Zeit
Die Suche am Ostersonntag und Ostermontag blieb erfolglos. Schlechtwetter hatte den Hilfseinsatz erschwert. Für Dienstag war besseres Wetter angesagt - gleich beim ersten Suchflug am Morgen konnten die Vermissten offenbar geortet werden. Mehr in tirol.ORF.at