Flugzeug-Crash 1964: Bergretter erinnern sich ...
Nach Bekanntwerden des katastrophalen Flugzeugabsturzes auf dem Glungezer bei Innsbruck am 24. Februar 1964 machten sich sofort einige Bergretter auf den Weg zur Unglücksstelle. Vom Chef der Gendarmerie wurden sie wüst beschimpft: "Leichenfladerer!"
Alpinhistorische Serie, Teil 2: Bei Tulfes in der Nähe von Innsbruck ereignete sich am 24. Februar 1964 das bis heute schwerste Flugzeugunglück Österreichs. Das viermotorige britische Verkehrsflugzeug Britannia 312 zerschellte unterhalb des Glungezergipfels. Dem katastrophalen Crash am 29. Februar 1964 mit 83 Toten folgte einer der schwierigsten Alpineinsätze aller Zeiten, bei dem ausschließlich Leichen und Leichenteile geborgen werden mussten.
Einige Bergretter hatten am Tag der Katastrophe zufällig Rettungsdienst in dem Berggebiet (das damals schon von vielen Skitourengehern begangen wurde) und waren demnach auch die ersten an der Unglücksstelle. Sie erinnern sich noch gut an die dramatischen Stunden.
„Franz Graber war oben am Grat und hat hinuntergeschaut. Ursprünglich hat er nichts gesehen, bis ihm das Leitwerk auffiel, das aus dem Schnee ragte. Josef Bram ging auf den Gipfel und roch Kerosin. Nach kurzer Suche fand er Teile des Fahrgestelles der britischen Verkehrsmaschine”, erzählt Siegfrid Knoflach, der als erster direkt an der Unglücksstelle eintraf:
„Wir sind dann hinuntergegangen und völlig ahnungslos auf Leichen gestanden, die unter dem Schnee begraben waren. Die unheimliche Ruhe und diese Stille, das war enttäuschend, weil wir merkten, dass wir gar nichts mehr machen konnten. So etwas nimmt einen mit, das kann keiner wegstecken.”
Den Bergrettern bleibt vorerst nichts anderes übrig, als mit den umherliegenden Schwimmwesten der abgestürzten Maschine aus London einen geeigneten Landeplatz für den ersten Hubschrauber der auf dem Luftweg eintreffenden Einsatzkräfte zu markieren. Wegen der Überlastung des Netzes war zu diesem Zeitpunkt kaum ein Funkkontakt ins Tal mehr möglich.
Wüste Beschimpfungen: "Leichenfladerer"
Was die Männer bis heute - fast 40 Jahre danach (!) ärgert, ist die Vorgangsweise des damaligen obersten Einsatzleiters der Gendarmerie, Rittmeister Erich Schimek. Als dieser mit dem Hubschrauber an der Unfallstelle eintraf, beschimpfte er die anwesenden Bergrettungsmänner: „Da stochern überall Touristen herum! Verschwindet’s, es Leichenfladerer”.
Der Bergrettungsmann Franz Graber geriet daraufhin so in Rage, dass es beinahe zu einer Schlägerei zwischen Bergrettern und Gendarmiebeamten gekommen wäre. Die Haller Bergrettung musste nun den Unfallort verlassen und beschwerte sich schriftlich beim damaligen Innenminister Franz Olah (SPÖ) über die Anschuldigungen der Alpingendarmerie.
Viele Fotos, volle Story und auch erster Teil der Serie zu finden
auf der Website unseres ÖBRD-Bundesverbandes ...