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Einsatztaktik: Historischer Überblick ...
Die Gründung des alpinen Rettungsdienstes in Österreich – des ersten weltweit - vor mehr als 100 Jahren war eine absolute Neuerung und Notwendigkeit. Erster Auslöser war ein Lawinenunglück auf der Rax in Niederösterreich im März 1896.

Von Matthias Gruber, bis 2007 Landesleiter der Salzburger Bergrettung

Dem Österreichischen Alpenverein als größter Organisation der Szene(n) wurde der Aufbau des alpinen Rettungsdienstes übertragen, und er investierte dafür beträchtliche Geldmittel. Selbstverständlich dauerte der Aufbau einige Zeit, wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, und nach dem Zweiten Weltkrieg musste wieder neu begonnen werden. Die meist Rettungsstellen waren zerstört, und viele Bergrettungsmänner hatten den Krieg nicht überlebt, waren vermisst oder in Gefangenschaft.

Der alpine Rettungsdienst wurde 1947 als - von den alpinen Vereinen nunmehr unabhängige und politisch neutrale - eigenstände Organisation - neu gegründet und erhielt den Namen "Österreichischer Bergrettungsdienst". An Ausrüstung war damals oft nicht einmal das aller Notwendigste vorhanden, die Ausbildung dürftig und Geld kaum verfügbar. Ein schwieriger Neubeginn wie in vielen anderen Bereichen der Nachkriegszeit: Der eigentliche Aufschwung im Bergrettungsdienst begann erst in den 1970er- und 1980er-Jahren.

Extrem hoher Zeitaufwand früher - oft geringe Überlebenschancen
Ein konkretes Unfallbeispiel aus dem Land Salzburg illustriert die enormen Schwierigkeiten früherer Zeiten, die im gesamten Alpenraum zu beobachten waren: Mitte der 1950er-Jahre stürzte ein Landwirt aus Großarl mit einer Wechte im Gebiet des Murtörls in den Hohen Tauern ab und verletzte sich schwer. Ein Schafhirt hörte seine Rufe, brachte ihn aus dem Gefahrenbereich und lief ins Tal, um Hilfe zu holen. Bis er ein Telefon erreichen konnte, um die Bergrettung zu alarmieren, musste er noch fünf Kilometer mit einem Rad fahren. Bis die Rettungsmannschaft der Bergrettung aufgestiegen war, den Verletzten ins Tal gebracht,  und ein Arzt die erste Versorgung geleistet hatte, vergingen 14 Stunden. Erst nach einer weiteren Stunde erreichte der Schwerverletzte das Spital, wo er tags darauf verstarb.



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