Suche
 
>> Start / Archiv
Diskussion: Lawinenschaufeln im Test
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser: Bergrettrt haben beim ÖBRD-Ausbildungszentrum im Jamtal eine Vielzahl von Lawinenschaufeln der Herstellerfirma getestet, die den Tiroler Bergrettungsdienst ausrüstet.

 

Von Peter Veider

Fazit des Tests: Alle Modelle dieses Herstellers sind für den Einsatz im Amateur- und Profibereich geeignet. Naturgemäß günstig wirken sich eine Klappfunktion der Schaufel, lange Stiele und größere Schaufelblätter auf die Leistung beim Graben aus (Hebelwirkung ...).

 In der seriösen, sehr informativen und mittlerweile auch international vielgelesenen Fachzeitschrift "berg & steigen" für Risiko-Management ist in der Nummer 4/07 ein Testbericht von Manuel Genswein erschienen, der mit Lawinenschaufeln einiger Hersteller ziemlich hart ins Gericht geht. Dabei wurden - aus der Sicht unseres Tiroler ÖBRD-Ausbildungsteams - die entsprechenden Tests unter Bedingungen vorgenommen, bei denen sich so gut wie (fast) jede Schaufel zerstören lässt.

Verunsicherung?
Dabei geht einem als Leser schon auch die Frage durch den Kopf, ob solche Bedingungen bzw. die Publikation von allein solchen Betrachtungsweisen zur Verunsicherung von Laien- bzw. Hobby-Skibergsteigern und auch Profis beitragen können oder nicht? Ich persönlich befürchte es. Als Bergrettungsleute wären wir froh, wenn mehr Freerider und Variantenfahrer, aber auch Tourengeher, die empfohlene Notfallausrüstung überhaupt dabei hätten - ungeachtet von Herstellerfirmen und Tests. Und Lawinenschnee, wie er etwa bei der Katastrophe von Galtür zu bekämpfen war, ist ohnehin nur mit schwerstem maschinellem Gerät zu knacken - da setzt jede Schaufel aus, und wäre sie aus hochfestem und hochzähem Edelstahl.

Vertrauen auf Untersuchungen und Tests von anderen ist gut, Kontrolle besser. Wir wollten es als Fachleute dann beim ÖBRD-Ausbildungszentrum Jamtal im Paznaun selbst wissen: Unser eigener Test von Lawinenschaufeln durch Spezialisten der Bergrettung Tirol zeigt, dass wir uns auch weiterhin auf die von uns seit Jahren verwendeten und immer wieder verbesserten Qualitätsprodukte verlassen können. Wir werden uns auch weiterhin darauf verlassen. 

Ergebnisse und Erkenntnisse unserer Untersuchung
Der schnellstmögliche Vorstoß zu den Atemwegen eines Lawinenopfers hat höchste Priorität. Für die weitere medizinische Versorgung und für die Überlebenschancen ist die Beantwort der Frage „Atemhöhle – JA/ NEIN“ von größter Wichtigkeit:

Erfolgreiche, schnelle Kameradenhilfe verlangt höchsten körperlichen Einsatz (mehrere Minuten körperlicher Höchstleistung).

Ausgezeichnete Schaufeltechnik wird durch die schnellstmögliche Zeit belohnt (kräftige Handwerkertypen und trainierte Sportler mit dem
körperlichen Vermögen über mehrere Minuten mit höchster Körperspannung präzise Blöcke zu stechen und auszuwerfen erzielen die schnellsten Zeiten).

Unabhängig vom verwendeten Material (ORTOVOX-Metallblatt oder ORTOVOX-LEXAN-Schaufelblatt aus Kunststoff) wurden von den erfolgreichen Rettern für die Befreiung der Atemwege 120 Sekunden benötigt.

Relevante Zeitersparnis wurde erarbeitet mit den größeren Schaufelblättern und mit einem langen Schaufelstiel.

• Insbesondere die Klappfunktion (90°-Hauenfunktion) ergibt eine besondere Arbeitserleichterung beim Tausch der Schaufler-Position
(der Wechsel der körperlichen Höchstbelastung vom Schaufeln zum Wegziehen des Lawinenschnees ergibt eine bedeutende Entlastung).

• Der Bau von längeren Rampen verzögert den Vorstoß zu den Atemwegen und die Bergung unnötig. Eindeutig effektiver ist der zielstrebige Vorstoß zu den Atemwegen mit einer optimierten, kurzen Rampe.

Intensives Training der Schaufeltechnik mit Schulung individueller, angepasster Lösungsansätze (beinahe jede Situation verlangt eine individuell angepasste Vorgehensweise).

Die erfreulichste Erkenntnis: Alle eingesetzten ORTOVOX-Schaufelmodelle
haben dieser, einem Ernstfall gleichenden Situation Stand gehalten. Es kam weder zu Brüchen der eingesetzten Schaufeln oder einzelner Bauteile noch zu massiven Verformungen!

 Verwendete Schaufelmodelle:
• ORTOVOX Economic (kältebeständiges und schlagfestes LEXANSchaufelblatt)
• ORTOVOX Orange (kältebeständiges und schlagfestes LEXANSchaufelblatt)
• ORTOVOX Cougar (Schaufelblatt verstellbar: 90°-Hauenfunktion;
kältebeständiges und schlagfestes LEXAN-Schaufelblatt)
• ORTOVOX Professional Alu II (Schaufelblatt verstellbar: 90°-
Hauenfunktion; Aluminium-Legierung)
• ORTOVOX Alaska (Aluminium-Legierung)
• ORTOVOX Grizzly (Schaufelblatt verstellbar: 90°-Hauen-Funktion;
Aluminium-Legierung; 6000 Serie)
• Mischung von ORTOVOX Alaska und Grizzly (in 90°-Hauen-Funktion)
• Mischung von ORTOVOX Cougar (längs) und Cougar abgewinkelt in 90 Grad-Hauen-Funktion

Situation:
Massendichte Schnee: 300 bis 400 kg/ m3 verdichtet auf ca. 500 kg/ m3.
Lufttemperatur: tageszeitliche Schwankungen zwischen - 5°C und + 5°C.
Schneetemperatur: -2°C bis -0,5°C.

Alle acht „Körper“ wurden in der Tiefe von 1.5 Metern vergraben. Die gewählte Testtiefe übertrifft die in Untersuchungen festgestellte Verschüttungstiefe mit guten Überlebenschancen um das Zwei bis Dreifache.

 Verschüttungstiefen
„Die durchschnittliche Verschüttungstiefe aller überlebenden Ganzverschütteten beträgt 50cm.Von den überlebenden Ganzverschütteten waren 75 Prozent weniger als 80 cm tief verschüttet.“

Situation
Massendichte Schnee: 300 bis 400 kg/m3 verdichtet auf ca. 500 kg/m3. Lufttemperatur: tageszeitliche Schwankungen zwischen - 5°C und + 5°C.
Schneetemperatur: - 2°C bis - 0,5°C.

Alle acht "Körper“ wurden in der Tiefe von 1, 5 Metern vergraben. Die gewählte Test-Tiefe übertrifft die in Untersuchungen festgestellte Verschüttungstiefe mit guten Überlebenschancen um das 2- bis 3-fache.

 Dummy-Größe
Die verschütteten Dummys weisen eine Größe von 120 cm x 45 cm, eine Masse/ Gewicht von ca. 80 Kilogramm auf und wurden am „Kopf“ mit einem LVS-Gerät als Sender ausgerüstet. Die Dummys wurden mit Schnee gefüllt; dieser wurde besonders stark verdichtet.

Aufgaben
Teams mit jeweils drei Bergretterinnen, Bergrettern oder Ausbildern haben die Aufgabe, nach der exakten Punktortung und Markierung des „Verschütteten“ mit den zugewiesenen Schaufeln ohne Rücksichtnahme auf das eingesetzte Material so rasch als möglich

1. zu den Atemwegen des Verschütteten vorzudringen und
2. den Verschütteten komplett auszugraben und an die Oberfläche zu bringen.

Die Zeit bis zu den Atemwegen und die gesamte Ausgrabungszeit wurden exakt gemessen.

Zusatzaufgaben
a) Eine der acht Gruppen hat die Aufgabe, exakt an der Sonde und trichterförmig zu den Atemwegen vorzustoßen und den Verschütteten zu bergen.
b) Eine weitere der acht Gruppen hat die Aufgabe, mit einer Rampe (Länge der Rampe gleich der Verschüttungstiefe) den Verschütteten zu bergen.

- Schaufeltest des ÖBRD-Tirol: Download (PDF)
- Fachzeitschrift "berg & steigen", Schaufeltest von Manuel Genswein: Download (PDF)

Führende Fachzeitschrift für Risiko-Management: 
bergundsteigen.at

-------------------  
Förderer-Pakete 2009 mit tollen Produkten ...

2009 naht, und die Bergrettung Tirol hat wieder Pakete für Förderer geschnürt. Ab 22 Euro sind Sie mit der Bergeversicherung dabei. Als Bonus gegen günstigen Aufpreis warten Multifunktion-Schutzhelm, Heinz Zak-Bergrettungskalender und gute Rucksäcke auf Sie.
Mehr lesen...
Artikel weiterempfehlen
Wussten Sie, dass...

- 4.000 ehrenamtliche Tiroler Bergretter/innen jährlich zu 4.000 Einsätzen einrücken,
- dabei 5.000 Menschen in Bergnot helfen,
- mit der Hundestaffel bei Lawinen und Sucheinsätzen nach Vermissten suchen
- und mit Spezialtrupps für Canyoning-Unfälle und Spaltenbergungen auf Gletschern schnell dort sind, wo sie gebraucht werden.

Mit einem Förderbeitrag von nur 22 Euro unterstützen Sie die Bergrettung bei der Beschaffung von Ausrüstung und versichern sich und Ihre Familienmitglieder für Bergunfälle. Werden Sie noch heute Förderer.


Förderershop & Intranetbereich...
Benutzername:
Kennwort:
Kennwort vergessen!

Sponsorlogo bfi-Tirol

Sponsorlogo Hochfilzer

Sponsorlogo medalp

 
Copyright by Bergrettung TIROL. Alle Rechte vorbehalten. Titelfotos von Matthias Burtscher