Die Bergrettung Tirols rüstet sich für die kommende Wintersaison. Mehr als 4.000 ehrenamtliche Bergretter und Bergretterinnen in 93 Tiroler Ortsstellen sorgen dafür, dass Menschen in Bergnot Hilfe erhalten.
Von Siegfried Weger, Redakteur der Illustrierten "Tirolerin"
Angeblich wurde Kaiser Maximilian nicht von einem Engel, sondern von einem ehrenamtlichen Bergretter aus der Martinswand geborgen. „Engel der Felsen?" – „Helden der Berge?“ – Pathos ist den bestens ausgebildeten Bergrettern fremd.

Diese Story ist gerade druckfrisch erschienen in der Illustrierten "Tirolerin", Ausgabe November 2009, Seiten 44 bis 47.
Es sind Bergbegeisterte, die ihren Einsatz für ihre Mitmenschen nicht heroisieren. Und dieser Einsatz ist enorm. Immerhin hat allein die Tiroler Bergrettung fast die Hälfte aller in Österreich erbrachten Einsatzstunden geleistet:
Mehr als 1.600 Einsätze im vergangenen Jahr. Allein in Tirol waren das 33.000 ehrenamtliche Einsatzstunden – ein finanzieller Gegenwert von fast 1,7 Millionen Euro, den die Bergrettung im Sinne des Gemeinwohls dem Tourismusland Tirol gebracht hat.
„Dabei sind in diesen Berechnungen die Kosten für Ausbildung und Training der Einsatzkräfte noch nicht enthalten. Die Summe würde ein Vielfaches der 1,7 Millionen Euro ausmachen“, betont der neue Landesleiter Kurt Nairz.
Weniger Tote in den Bergen
„Unsere Bergretter und Bergretterinnen sind bestens ausgebildet“, informiert Kurt Nairz: „Immerhin konnten wir im letzten Jahr 5.000 Menschen in Bergnot helfen.“
Der Landesleiter freut sich, dass trotz Zunahme von schwierigen Suchaktionen immer mehr Vermisste lebend geborgen werden konnten. Nicht zu unterschätzen sei das „harmlose“ Gelände.
Dort gebe es nämlich die meisten tödlichen Unfälle. Mit Abstand die meisten Unglücke in den Bergen sind weiterhin auf Herz- und Kreislauferkrankungen zurückzuführen. Insgesamt, so die erfreuliche Nachricht, sei die Zahl der Toten aber rückläufig.
Wie wird man Bergretter?
Die Ausbildung umfasst vier einwöchige Kurse. Es gibt einen Winterkurs, einen Sommerkurs, einen Eiskurs, und zusätzlich muss man eine erweiterte Ausbildung in Erster Hilfe und Alpinmedizin absolvieren, die beim Roten Kreuz oder bei eigenen Kursen der ÖBRD-Landesleitung gemacht werden kann.
Das eigene Ausbildungszentrum der Tiroler Bergrettung liegt im Jamtal bei Galtür im Paznauntal.
Tragödien sind vermeidbar
Kurt Nairz weiß aus Erfahrung, wie schnell in den Bergen etwas passieren kann. So appelliert der Landesleiter an die Eigenverantwortung und die Vernunft aller Bergbegeisterten.
Man sollte seinen Verwandten, Bekannten oder Quartiergebern vor jeder Tour sagen, wohin man geht und wann eine Rückkehr geplant ist. Nairz weiß auch, wie wichtig die richtige Ausrüstung ist:
Handy, Kleidung gegen Wind und Wetter, Biwaksack, Stirnlampe, Trillerpfeife, Proviant und Getränke. Natürlich nützt alles nichts, wenn es zu Hause im Keller liegen bleibt. Bei Wintertouren braucht es zusätzlich das LSV-Gerät, Stabsonde und Lawinenschaufel.
Nairz dazu: „Die Zahl von Einsätzen auf Lawinen hat stark zugenommen.
Gott sei Dank aber nicht die Zahl der Lawinentoten.“
Reportage im Original-Layout Download (PDF)
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