Von der APA-Chronikredaktion (Austria Presse Agentur)
Innsbruck, 3. Dezember 2008 - Lawinengefährdetes Gelände sei in Tirol flächenmäßig am größten von allen Bundesländern, dazu komme der im weltweiten Vergleich äußerst intensive Winter- und Bergtourismus, sagen Experten. Das mache Tirol neben vielen wirtschaftlichen Vorteilen auch statistisch zum Hotspot des alpinen Unfallgeschehens. Fehlende beziehungsweise schlechte Tourenplanung sei häufig die Ursache für tödliche Lawinenunglücke. Ohne Rücksicht auf die aktuelle Situation werde die geplante Tour oft einfach durchgezogen, sagte Rudi Mair vom Tiroler Lawinenwarndienst am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Auch die Tageszeit sei entscheidend. Am Nachmittag steige die Lawinengefahr deutlich an. "Fehlende Abfahrtsdisziplin" ortete Mair als weiteren vermeidbare Grund.
Abfahrten "blind" über Risiko-Hänge
Häufig sei zu beobachten, dass Wintersportler beim Aufstieg bestimmte Hänge sehr wohl meiden, aber für die Abfahrt dann genau diesen Risikohang wählen. Dabei werde die Schneedecke aber doppelt so stark belastet wie beim Aufstieg. Bei einem schlechten Skifahrer sogar viermal so stark, erklärte Mair.
Fast 90 Prozent sind Männer
Allein in Tirol wurden im vergangenen Winter 75 Lawinenunfälle registriert, bei denen 163 Personen beteiligt waren. 25 der Verschütteten wurden verletzt, für 14 kam jede Hilfe zu spät. Das waren vier mehr als im Vorjahr. Am häufigste betroffen sind mit 59 Prozent die Tourengeher und dabei vor allem Männer. 87 Prozent der an Lawinenunfällen Beteiligten waren männlich. "Offenbar ist uns da das Testosteron im Weg", meinte Mair.
Lawinenwarndienst Tirol
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