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Buchvorstellung: "Schatten über Galtür"
Am 3. August 2010 wird im Alpinarium von Galtür ein spannendes Buch vorgestellt: "Schatten über Galtür". Der Psychoanalytiker und Ethnologe Bernd Rieken beleuchtet Folgen der Lawinenkatastrophe von 1999. Wie hat sie die Bevölkerung verarbeitet?

Die Psychoanalyse - ausgehend von ihrem Begründer Sigmund Freud - beschäftigt sich mit unserem Seelen, Gefühls- und Triebleben (nicht nur dem sexuellen) und beleuchtet es vor dem Hintergrund unserer Kindheits- und Jugenderfahrungen - im Bezug auf Eltern oder andere wichtige Personen in jungen Jahren.

Die Ethnologie hieß früher Völkerkunde, im Amerikanischen nennt man sie "Social Anthropology", die Lehre von sozialen Phänomenen, die den Menschen ausmachen und definieren - in verschiedensten Kulturkreisen und Epochen. Während im Rahmen der "Völkerkunde" früher fast nur "Völker" in Entwicklungsländern bzw. "unterentwickelten" Weltgegenden (wie es damals hieß) erforscht wurden, kümmert sich die Ethnologie längst auch um das Verhalten von Menschen und Gemeinschaften in modernen Industriegesellschaften wie der unseren.


Galtür im Südwesten Tirols an der Grenze zu Graubünden (Schweiz), nahezu weltweit bekannt geworden durch die Lawinenkatastrophe von 1999 mit mehreren Dutzend Toten, zahlreichen Schwerverletzten und schwer traumatisierten Überlebenden, die körperlich unverletzt geblieben sind. 
In Galtür und auf der nahen Silvretta machte in den 1920er-Jahren auch der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway einen Winterurlaub - mit Skitouren. Im nahen Jamtal befindet sich bei Galtür das moderne Ausbildungszentrum der Tiroler Bergrettung, einen Steinwurf von der Jamtalhütte des Deutschen Alpenvereins.

Tiefe Spuren im Seelenleben
Weil ein Geschehen wie die Lawinenkatastrophe von Galtür (1999) sehr tiefe Spuren in den Seelen von Dorfbewohnern hinterlassen haben muss, ging der Wiener Universitätsprofessor Bernd Rieken - ein gebürtiger "Flachlandtiroler" aus Ostfriesland - im Rahmen einer psychoanalytisch-ethnologischen Feldforschung der Frage nach, ob und wie die Einheimischen das Desaster verarbeitet haben.

Er kam zu überraschenden Ergebnissen, die dem offenen Horizont eines fächerübergreifenden (interdisziplinären) Zugangs der Forschung zu verdanken sind, dessen Anliegen es ist, den Gegensatz zwischen "Objektivisten" und "Konstruktivisten" in der Katastrophenforschung zu relativieren.

Was war passiert?
Am 23. Februar 1999 verwüstete eine Lawine Ortsteile von Galtür, die seit Jahrhunderten als sicher galten und in der grünen Zone lagen. Neben zahllosen Verletzten forderte die Katastrophe 31 Menschenleben, davon 25 Urlaubsgäste und sechs Einheimische. Wenn man über Extremlandschaften spricht, denkt man als Mitteleuropäer wohl eher an Wüsten oder Polargebiete denn an heimische Gefilde. Dabei wird leicht übersehen, dass es auch in unseren gemäßigten Breiten Gegenden gibt, die den Rahmen des Üblichen sprengen.

TERMIN:
Die Buchpräsentation findet am 3. August um 20.30 Uhr im Alpinarium in Galtür statt. Der Eintritt ist frei.

Mehr zu Buch und Autor auf der Website unserers Bundesverbandes - bergrettung.at

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